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„Envisioning Europe“: Die EU und die Demokratie - Experimente

Veranstaltungsart: 
Online-Diskussionsrunde
Event Category: 
Our Events
Zielgruppe: 
Erwachsene
Sprache der Veranstaltung: 
Englisch

Die Europäische Union ist mit ihrer Verwaltung auf mehreren Ebenen, ihrer wirtschaftlichen Integration und ihrer multilateralen Diplomatie ein bemerkenswertes Experiment. Gleichzeitig stellt sie jedoch auch ein wichtiges, wenn nicht sogar gewagtes Experiment mit der Demokratie dar. Niemals zuvor wurde ein so ehrgeiziges demokratisches Projekt über die Grenzen eines Nationalstaats hinaus umgesetzt. Professor Jan Zielonka wird im Rahmen der Vorlesung versuchen, zu beurteilen, ob dieses Projekt gescheitert ist oder erfolgreich war. Obwohl das Europäische Parlament durch die jüngsten Verträge mehr Kompetenzen gewonnen hat, so wurde die Legitimität der EU doch nicht sichtbar gestärkt. Die Mitgliedstaaten sehen sich nach wie vor als die Hüter der Demokratie, missbrauchen jedoch gleichzeitig die EU, um sich der parlamentarischen Kontrolle innerhalb ihrer eigenen Grenzen zu entziehen. Durch die Wahlen zum Europäischen Parlament sind immer mehr euroskeptische Mitglieder des Europäischen Parlaments mit spürbarem Einfluss an die Macht gekommen. Für die Demokratie ist eine aktive Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger notwendig, doch Lobbyisten scheinen einen besseren Zugang zu den EU-Organen zu haben als nichtstaatliche Organisationen, ganz zu schweigen von gewöhnlichen Bürgerinnen und Bürgern. Möglicherweise ist das System der Repräsentation durch das Parlament nicht geeignet für einen weitläufigen multinationalen und auf mehreren Ebenen wirkenden Akteur wie die EU. In einem europäischen Gemeinwesen mit diversen Kulturen und politischen Zugehörigkeiten ist es nicht leicht, eine Demokratie allein auf institutioneller Architektur zu errichten. Professor Zielonka wird einen alternativen demokratischen Weg für die EU vorschlagen, der die Handlungskompetenzen der Bürgerinnen und Bürger durch neue Formen des Einspruchs, der Teilnahme und der Vertretung stärkt. Er wird darlegen, warum ein Europa der Vernetzung eine andere Form von Demokratie erfordert als ein Europa der Staaten.

Anmeldung zur Veranstaltung

Jan Zielonka ist Professor für Politik und internationale Beziehungen an der Ca‘-Foscari-Universität von Venedig und der Universität Oxford. Er bekleidete unter anderem Posten an der Universität Warschau, der Universität Leiden und dem Europäischen Hochschulinstitut Florenz. Seine Arbeit bewegt sich im Bereich der internationalen Beziehungen, der vergleichenden Politikwissenschaft und der politischen Theorie. Zielonka hat 18 Bücher veröffentlicht, darunter Konterrevolution. Der Rückzug des liberalen Europa (Oxford University Press, 2018, 2019 mit dem Preis des Hochschulverbands für zeitgenössische europäische Studien (UACES) für das beste Buch über Europa ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt), Politics and the Media in New Democracies: Europe in a Comparative Perspective (Die Politik und die Medien in neuen Demokratien. Europa aus einer vergleichenden Perspektive) (Oxford University Press, 2015), Is the EU doomed? (Ist die EU zum Scheitern verurteilt?) (Polity Press, 2014) und Europe as Empire: The Nature of the Enlarged European Union (Europa als Imperium. Das Wesen der erweiterten Europäischen Union) (Oxford University Press, 2006). Beiträge von Zielonka werden regelmäßig in den Zeitungen und Magazinen Die Zeit, The New Statesman, Social Europe, Open Democracy, Il Fatto Quotidiano, L’Espresso, NRC Handelsblad, Diário de Notícias und Rzeczpospolita veröffentlicht.

Die Veranstaltung wird von Professor Ludger Kühnhardt, Direktor des Zentrums für Europäische Integrationsforschung (ZEI) und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bonn, moderiert. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung als Berater im politischen und akademischen Bereich, unter anderem für den Generalsekretär des Europarats, den ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments, das Parlament Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten Wirtschaftsgemeinschaft, das West Africa Institute, die Europäische Geisteswissenschaftliche Universität und die Deutsche Bischofskonferenz.

Einführung von Dr. Constanze Itzel, Museumsdirektorin des Hauses des Europäischen Geschichte.

Anlässlich der Konferenz zur Zukunft Europas veranstaltet das Haus der Europäischen Geschichte eine Online-Vorlesungsreihe unter dem Titel „Envisioning Europe“. Zwischen dem 22. Juni 2021 und dem 19. Juli 2022 bietet das Museum zwölf renommierten Historikern eine Bühne, die Einblicke in das Europa der Vergangenheit und der Gegenwart gewähren. Auch Stimmen von außerhalb Europas tragen mit ihren externen Perspektiven zur Kontextualisierung dieses Dialogs bei. Zu jeder Vorlesung gibt es eine moderierte Fragerunde.