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Vortragsreihe „Envisioning Europe“ – Europa im Blick – Mathieu Segers

Veranstaltungsart: 
Online-Diskussionsrunde
Event Category: 
Our Events
Zielgruppe: 
Erwachsene , Junge Besucher
Sprache der Veranstaltung: 
Englisch

Das Europa der europäischen Integration und die Wechselfälle dieser Integration – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

 

In diesem Vortrag geht es um die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Europas der europäischen Integration sowie um die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des transatlantischen Westens. Hat die multilaterale westliche Welt noch eine Zukunft? – diese Welt, die sich seit Beginn der früheren 1940er-Jahr herausgebildet hat, vor dem Hintergrund einer rabenschwarzen Geschichte mit zwei Weltkriegen und der Weltwirtschaftskrise. Inwiefern sind die Hoffnungen, Erfolge und Verheißungen des „eingebetteten Liberalismus“ (John Gerard Ruggie, 1982, „International regimes, transactions, and change: embedded liberalism in the postwar economic order“) und der zugehörige Begriff der „sozialen Marktwirtschaft“ im Europa der europäischen Integration noch glaubwürdig? In diesem Vortrag werden diese Fragen sowohl aus einem wirtschaftlichen als auch aus einem (geo)politischen Blickwinkel bewertet. Ferner wird bei dieser Bewertung eine breiter und länger gefasste, in stärkerem Maße diachrone Geschichte der europäischen Integration berücksichtigt, da in den derzeit verbreiteten Darstellungen zur Geschichte der europäischen Integration der Blick auf die starken Verbindungen zu vor 1950 liegenden und den gesamten Westen umfassenden Erscheinungen und Episoden der internationalen Zeitgeschichte weitgehend verstellt ist. Das übergreifende Thema, auf das in diesem Vortrag Bezug genommen wird, ist die eine, stets beunruhigende Frage: Was ist Europa eigentlich? Nach dem Fall der Berliner Mauer schrieb Jacques Derrida: „Das alte Europa hat alle Möglichkeiten, Diskurse und Gegen-Diskurse über seine eigene Identifikation hervorzubringen, erschöpft.“ Das gilt nach wie vor. Zugleich aber ist diese immerwährende Selbsterforschung die einzige Gewissheit, die Europa und die Europäerinnen und Europäer haben und an der sie festhalten müssen. Dieser Vortrag versteht sich als eine weitere Übung in dieser alten europäischen Tradition, die mit dem aktuellen Stand der Dinge in der Europäischen Union und in ihrem Umfeld eng verflochten ist.

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Mathieu Segers (*1976) ist Professor für Europäische Zeitgeschichte und europäische Integration an der Universität Maastricht (UM). Zudem ist er Inhaber des Europa-Lehrstuhls der UM und in dieser Funktion Vorsitzender des Akademischen Vorstands des UM-weiten Programms MWoE (Maastricht, Working on Europe), für dessen Durchführung das Studio Europa Maastricht zuständig ist. Segers war Fulbright-Schuman-Stipendiat am Zentrum für europäische Studien der Harvard University (2010) und leitender Forschungsbeauftragter am Fachbereich Politik und internationale Beziehungen der Universität Oxford (2013). Von 2008–2016 war er als Professor für europäische Integration und internationale Beziehungen an der Universität Utrecht tätig. Danach wechselte er an die UM und war von 2016–2020 Dekan des University College Maastricht. 

Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte und Vorgeschichte der europäischen Integration, die transatlantischen Beziehungen sowie aktuelle Fragen Europas und der EU. Segers hat wissenschaftliche Bücher und Artikel in renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht (Journal of Common Market Studies, Contemporary European History, The International History Review, Journal of Cold War Studies, Journal of European Integration History usw.). Er hat zahlreiche Bücher sowie Berichte zu politischen Maßnahmen und Strategien verfasst, u. a. als Mitglied des niederländischen Wissenschaftlichen Rats für Regierungspolitik (WRR – Wetenschappelijke Raad voor het Regeringsbeleid). Sein Buch über die Niederlande und die europäische Integration – „Reis naar het continent. Nederland en de Europese Integratie 1950 tot heden“ (Reise zum Kontinent. Die Niederlande und die europäische Integration, von 1950 bis heute) (Prometheus) – wurde in den Niederlanden mit dem Preis für das beste politische Buch des Jahres 2013 ausgezeichnet, im Jahr 2019 in einer aktualisierten Fassung erneut aufgelegt sowie im Jahr 2020 von der Amsterdam University Press in englischer Übersetzung herausgegeben(„The Netherlands and European Integration, 1950 to Present“). 

Derzeit ist Segers als leitender Herausgeber der Cambridge History of the European Union tätig (geplante Veröffentlichung 2023) und wirkt maßgeblich an dem von der Niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO – Nederlandse Organisatie voor Wetenschappelijk Onderzoek) finanzierten interdisziplinären Forschungsprojekt „Blueprints of Hope: Designing Post-War Europe; Ideas, Emotions, Networks and Negotiations (1930–1963)“ (Entwürfe der Hoffnung: Die Gestaltung des Nachkriegseuropas. Ideen, Emotionen, Netzwerke und Verhandlungen (1930–1963)) mit, für das er die zusammenfassende Monographie schreibt. Ferner schreibt Segers regelmäßig Kommentare zu europäischen Belangen in niederländischen und internationalen Medien, ist als Kolumnist für Het Financieele Dagblad und für De Groene Amsterdammer tätig und produziert den Podcast Café Europa.

Moderation: Prof. Ludger Kühnhardt, Direktor am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) und Professor für politische Wissenschaft an der Universität Bonn. Prof. Kühnhardt verfügt über umfangreiche Erfahrung als Berater im politischen und akademischen Bereich, unter anderem für den Generalsekretär des Europarats, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, das Parlament der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS – Economic Community Of West African States), das West Africa Institute (WAI), die Europäische geisteswissenschaftliche Universität (EHU – Europos humanitarinis universitetas) und die Deutsche Bischofskonferenz der römisch-katholischen Kirche.

Einführung von Dr. Constanze Itzel, Museumsdirektorin, Haus den europäischen Geschichte.

Anlässlich der Konferenz zur Zukunft Europas veranstaltet das Haus der europäischen Geschichte eine Online Vortragsreihe unter dem Titel „Envisioning Europe“ – Europa im Blick. Vom 22. Juni 2021 bis 19. Juli 2022 lädt das Haus der europäischen Geschichte zwölf prominente Historikerinnen und Historiker zu einem Dialog über ihre Einschätzungen und Erkenntnisse hinsichtlich der Vergangenheit und Gegenwart Europas ein. Ferner tragen Stimmen von außerhalb Europas dazu bei, diesen Dialog in einen größeren Zusammenhang einzubetten und durch externe Blickwinkel zu ergänzen. Zu jedem Vortrag gibt es eine moderierte Fragerunde.